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Wie verhalten sich die Bundesliga-Torhüter bei Eckstößen? Wer lässt die meisten Bälle fallen und wer wird am häufigsten geblockt?
In den vergangenen Jahrzehnten schwappten uns England wunderbare Dinge wie Heavy Metal, Harrington-Jacken, Baked Beans oder Oasis auf das europäische Festland. Auch der derzeitige kulturelle Einfluss macht nicht bei Boy Kibble und Coquettecore halt. Denn im Fußball können wir seit geraumer Zeit einen Trend beobachten, der in der Bundesliga erst am Anfang steht: Das Überladen des Fünfmeterraums bei Eckstößen.
Mittlerweile geht es bei Eckbällen zu wie im Supermarkt, sobald eine neue Kasse eröffnet wird. Es wird gedrängelt und geschoben, wenn nötig auch an Armen und T-Shirts gezogen. Neben dem Ziel den ersten Ball direkt ins Tor zu befördern, geht es den angreifenden Teams immer häufiger um das Verwerten des zweites Balles. Umso wichtiger ist für die Torhüter eine Klarheit im Handeln.
Gemeinsam mit meinem Torwarttrainer-Kollegen Henning Amshoff habe ich mir jeden einzelnen Eckball der Bundesliga-Saison 2025/26 angeschaut. Die zentralen Fragen: Wer geht am besten mit dem Chaos um? Wer stürzt sich ins Getümmel? Wer bleibt auf der Linie? Welche Absprungtechnik wird gewählt?
Die Kriterien
Wir haben uns zunächst einen Pool an Torhütern gesucht, deren Spielzeit aussagekräftig genug ist. So schön die Cameo-Auftritte von Sven Ulreich oder Sander Tangvik auch waren, sie waren eben nur Kurzeinsätze innerhalb einer langen Saison.
Daher haben wir die Hürde bei zehn absolvierten Bundesliga-Spielen gesetzt. Eine Hürde, die zum Beispiel Robin Zentner nur knapp überspringen konnte.
Die Eckstöße haben wir wie folgt kategorisiert:
nicht erreichbar
Alle Eckstöße, die deutlich außerhalb des Wirkungskreises eines Torwarts liegen. Das kann eine kurze Variante oder ein Ball weit hinten zum zweiten Pfosten sein. Dazu zählen auch alle Hereingaben, die vor dem ersten Pfosten herunterfallen.
geblockt
Der Torwart will zum Ball, kann sich aber gegen Mit- bzw. Gegenspieler nicht durchsetzen.
Absetzen zur Linie
Der Torwart macht erst gar keine Anstalten den Raum zu verteidigen, sondern setzt sich zur Linie ab. Eigentlich hätten wir sie auch die “Daniel-Heuer-Fernandes-Kategorie” nennen können.
Absprung einbeinig & Absprung beidbeinig
Erklären sich von selbst. Wieso haben wir diese Kategorie gewählt? Sie gibt Aufschluss darüber, wie häufig ein Torwart aus dem Stand abspringen muss, weil er bspw. zugestellt ist. Ein einbeiniger Absprung bietet in solchen Momenten mehr Reichweite nach vorn, während der beidbeinige mehr Höhe geben kann.
Fangen & Fausten
Erklären sich von selbst.
Fehler beim Fangen & Fausten
Ein Faust-Fehler liegt vor, wenn der Torwart den Ball zu einem Gegenspieler faustet, der etwa 20 Meter vom Tor entfernt und mit Gesicht zum Tor steht. Wird der Ball zu einem Mitspieler befördert, ist es eine erfolgreiche Aktion.
In unserer Studie haben wir nur den tatsächlichen Eckstoß und die erste Aktion bewertet. Ein kurz ausgeführter Eckball, der anschließend in den Strafraum fliegt, ist bei uns unter die Kategorie “nicht erreichbar/kurz gespielt” gefallen. Das macht es am Ende vergleichbarer. Eine kurze Ecke hat einen anderen Winkel, auch das Abseits kann plötzlich eine Rolle spielen. Wurde auf Foul an einem Torwart oder dessen Mitspieler entschieden, fließt die Szene nicht in die Bewertung ein.
Die Torwart-Typen
Anhand dieser Parameter und Daten ergeben sich grob gesagt drei Torwart-Typen: Der Fauster, der Fänger und der Linientiger. Wir haben uns dabei einerseits an den vorliegenden Daten orientiert und andererseits unseren Eye-Test einfließen lassen. Daraus haben sich folgende Werte ergeben:



